Fakten zur Organspende

Die meisten Deutschen stehen der Organspende positiv gegenüber. Aber nur knapp ein Drittel hat wirklich einen Organspendeausweis in der Tasche. Das hat tödliche Folgen. Zeit zu handeln! Keine Ausreden!

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der Deutschen stehen der Organspende positiv gegenüber

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der Deutschen haben wirklich einen Organspendeausweis in der Tasche

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1000 Tote

pro Jahr durch fehlende Spenderorgane

Keine Ausreden! Jetzt Handeln!

Staatsministerin Melanie Huml, MdL

Die Zahl der Organspenden ist in den letzten Jahren dramatisch gesunken. 2013 und 2014 gab es in Bayern ca. 40 Prozent weniger Organspender als im Jahr 2010. 2015 ist die Zahl in Bayern wieder leicht gestiegen. Trotzdem reichen die gespendeten Organe bei Weitem nicht für die Menschen auf der Warteliste aus. Das hat tödliche Folgen. Etwa 1.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland, weil es nicht genug Spenderorgane gibt.

Eigentlich ist das unverständlich, denn 80 Prozent der Deutschen stehen der Organspende grundsätzlich positiv gegenüber. Aber wenn es darum geht, dies in einem Organspendeausweis zu dokumentieren, tun es leider viele Menschen nicht. Nur 35 Prozent geben an, einen Organspendeausweis in der Tasche zu haben. Aus der Praxis wissen wir, dass es tatsächlich noch weniger sind. Das Thema ist kein leichtes, man muss sich sehr bewusst darauf einlassen.

„Bei den Wartelisten wird betrogen.“ „Meine Organe sind zu alt, die will eh keiner mehr!“ „Reiche und Privatpatienten werden bei der Organvergabe bevorzugt.“ „Bin ich wirklich tot, wenn mir die Organe entnommen werden?“ Hand aufs Herz – diese zweifelnden Sätze kennen wir alle, und sie liefern uns genug Vorwände, jetzt gerade keinen Organspendeausweis auszufüllen.

Staatsministerin Melanie Huml, MdL

Umso wichtiger ist es, sich mit den Fakten auseinanderzusetzen: Denn dann sieht jeder, was diese Sätze in Wirklichkeit sind: Ausreden.

Wir haben die wichtigsten Ausreden und Vorurteile zum Thema Organspende zusammengetragen und den Fakten gegenübergestellt. Wir möchten damit zur Auseinandersetzung mit der Thematik animieren und sie erleichtern. Natürlich ist die Entscheidung für oder gegen Organspende eine ganz persönliche. Wussten Sie/Wusstet Ihr zum Beispiel, dass auch Kinder, die am irreversiblen Hirnfunktionsausfall verstorben sind, Organspender werden können? Wussten Sie/Wusstet Ihr, dass derzeit 22 Prozent der Organspender in Bayern älter als 65 Jahre sind, die vor allem älteren Menschen das Leben retten? Wussten Sie/Wusstet Ihr, dass man auf dem Organspendeausweis auch ankreuzen kann: „Nein, ich widerspreche einer Entnahme von Organen oder Geweben“ oder eine Spende nur für bestimmte Organe oder Gewebe gestatten kann? Auch eine bewusste Entscheidung gegen Organspende oder Einschränkungen auf ein bestimmtes Organ sind absolut legitim. Nur sollte die Entscheidung auf der Basis von Fakten getroffen werden. Es zählt allein die bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema. In diesem Sinne: „Keine Ausreden. Entscheide Dich jetzt.“

Melanie Huml Staatsministerin, MdL CSU

Ausreden vs. Fakten

57 Prozent aller Deutschen fühlten sich nur unzureichend über die Organspende informiert. Gleichzeitig gibt es eine Reihe von Vorbehalten gegenüber dem Thema. Sie dienen oftmals als Ausreden, sich nicht weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Wir haben den wichtigsten Ausreden die Fakten gegenübergestellt.

Das Gesetz verpflichtet verschiedene Stellen in Bayern, über Organspende aufzuklären, so zum Beispiel die gesetzlichen und privaten Krankenkassen, Krankenhäuser oder Ausweisbehörden. Den Organspendeausweis gibt es auch als Download im Internet auf der Informationsseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Dauert nur ein paar Minuten. Man muss es eben nur machen...

Wem die Vorlage nicht gefällt, der kann seine Entscheidung auch formlos auf einem Stück Papier festhalten. Es genügt sogar, die Angehörigen über die eigene Entscheidung zu informieren, da diese im Fall des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls befragt werden.

Am besten ist aber beides: Ein Organspendeausweis, den man immer dabei hat, und die Mitteilung der Entscheidung gegenüber den Angehörigen. Damit ist sichergestellt, dass die Ärzte im Fall des Falles auch tatsächlich über die Entscheidung des Patienten informiert sind.

Leider nein. Rund 11.000 Bundesbürger warten auf ein lebensrettendes Organ. Jeden Tag sterben drei Menschen, denen eine Organspende das Leben hätte retten können. Pro Jahr sind das also ca. 1.000 Menschen in Deutschland.

Eine weit verbreitete Angst. Fakt ist: Der kommerzielle Handel mit Organen ist in Deutschland ausdrücklich verboten und strafbar. Wer ein verfügbares Spenderorgan erhält, bestimmt sich allein nach den medizinischen Kriterien der Erfolgsaussicht und Dringlichkeit. Die Verteilung der Organe erfolgt ausschließlich durch die Stiftung Eurotransplant nach komplexen Richtlinien der Bundesärztekammer. Die Auswahlkriterien sind auf der Homepage der Bundesärztekammer für jeden abrufbar.

Dennoch gab es in den vergangenen Jahren mehrere Transplantationsskandale, die das Vertrauen in das System grundlegend erschüttert haben. Hier haben einzelne Ärzte medizinische Werte manipuliert, damit ihre Patienten auf den Wartelisten für das konkrete Organ nach oben rücken. Um das auszuschließen, wurden die Kontrollmechanismen auf allen Ebenen deutlich verschärft. Manipulative Angaben zum Gesundheitszustand eines Patienten, der auf ein Organ wartet, sind nunmehr ausdrücklich strafbar. Manipulationsversuche einzelner Personen kann man leider nie ganz ausschließen. Das Kontrollnetz ist aber sehr engmaschig geworden.

Der „Hirntod“ (korrekt: der irreversible Hirnfunktionsausfall) ist der endgültige, nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms. Ist die Gesamtfunktion des Gehirns als übergeordnetes Steuerorgan der elementaren Lebensvorgänge unwiderruflich ausgefallen, ist eine Therapie zwecklos und es ist unmöglich, den Patienten zurück ins Leben zu holen. Der Patient ist verstorben.

Die Hirntodkonzeption wurde nicht von Transplantationsmedizinern „erfunden“, sondern vor dem Hintergrund der medizinischen Möglichkeiten der Intensivmedizin (insbesondere künstliche Beatmung) entwickelt. Der irreversible Hirnfunktionsausfall ist weltweit als sicheres Todeszeichen anerkannt. Nach dessen Feststellung ist die intensivmedizinische Behandlung zu beenden, da die Weiterbehandlung eines Verstorbenen nicht in Betracht kommt.

Das primäre Interesse jedes Arztes ist es, das Leben seiner Patienten zu retten und nicht das eines potentiellen Organempfängers. Dazu ist er schon durch seinen hippokratischen Eid verpflichtet.

Außerdem ist es für eine gelungene Transplantation gerade Voraussetzung, dass für einen Patienten auf der Intensivstation das medizinisch Notwendige getan wird. Andernfalls scheidet er als Organspender aus medizinischen Gründen aus.

Die Hürden für eine Organspende liegen sehr hoch. Eine Organspende kommt nur bei Versterben eines Patienten auf einer Intensivstation überhaupt in Betracht, da der endgültige, nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion des Gehirns eines Patienten nur unter intensivmedizinischen Bedingungen festgestellt werden kann. Ein Tod allein wegen Herzversagens genügt also nicht. Wird der Verstorbene kein Organspender, beispielsweise, weil er nicht geeignet ist oder zu Lebzeiten der Organspende widersprochen hat, stellen die Ärzte die Behandlung ein.

Ein Interessenkonflikt der Ärzte ist ausgeschlossen: Die an der Feststellung des endgültigen, nicht behebbaren Hirnfunktionsausfalls beteiligten Ärzte dürfen weder an der Entnahme noch an der Übertragung der Organe oder Gewebe des Spenders beteiligt sein. Sie dürfen auch nicht Weisungen eines Arztes unterstehen, der an diesen Maßnahmen beteiligt ist. Die Organspende kommt auch nicht automatisch dem eigenen Krankenhaus zugute, da eine Transplantation nur in wenigen zugelassenen Transplantationszentren stattfinden darf.

Der endgültige, nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion des Gehirns muss von zwei unabhängigen Ärzten, die selbst mit der Transplantation nichts zu tun haben, festgestellt werden. Die Diagnose erfolgt nach einem objektiven, medizinischen Bewertungsschema und kann mittels einer Reihe von Untersuchungen zweifelsfrei festgestellt werden.

Bei Menschen, bei denen die gesamte Hirnfunktion endgültig, nicht behebbar erloschen ist, ist auch die Schmerzempfindung erloschen. Die Schmerzrezeptoren im Gehirn funktionieren nicht mehr. Bereits nach der Diagnose des endgültigen, nicht behebbaren Ausfalls der Gesamtfunktion des Gehirns werden Schmerzmittel abgesetzt. Denn die Überprüfung des Ausfalls der Schmerzwahrnehmung ist eines der wichtigsten Indizien für den endgültigen, nicht behebbaren Ausfall der Gesamtfunktion des Gehirns. Deshalb wird auch keine Vollnarkose eingesetzt, sondern lediglich Mittel, die zur Ruhigstellung der Muskulatur dienen. Damit sollen Reflexe, die zu Spontanbewegungen und zum Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz während der Organentnahme führen, verhindert werden.

Es gibt keine Altersgrenze, um Organe zu spenden. Im Gegenteil: Organe älterer Spender werden gezielt an ältere Empfänger vermittelt. Ob Organe für eine Transplantation medizinisch infrage kommen, wird in jedem Einzelfall geprüft. Derzeit sind etwa 22 Prozent der Organspender in Bayern älter als 65 Jahre. Tatsächlich besteht noch ein höheres Potenzial.

Wenn Du jünger als 14 bist, dann kannst Du das nicht selbst entscheiden. Aber ab dem 14. Lebensjahr kannst Du Deinen Widerspruch erklären, ab dem 16. Lebensjahr kannst Du Deine Bereitschaft, Organe zu spenden, in einem Organspendeausweis dokumentieren. Eine Zustimmung der Eltern ist nicht notwendig.

Wer ein verfügbares Spenderorgan erhält, bestimmt sich allein nach den medizinischen Kriterien der Erfolgsaussicht und Dringlichkeit. Der Empfänger wird durch das Computersystem der Stiftung Eurotransplant nach komplexen Richtlinien der Bundesärztekammer errechnet. Die Auswahlkriterien sind transparent geregelt. Der Geldbeutel spielt dabei ebenso wenig wie die soziale Stellung eine Rolle, genauso wenig, ob jemand Kassen- oder Privatpatient ist.

Die Angst, dass die eigenen Angehörigen den Verstorbenen nicht mehr wiedererkennen, ist verständlich, aber unbegründet. Der operative Eingriff der Organentnahme erfolgt mit der gleichen chirurgischen Sorgfalt wie jede andere Operation auch. Die Ärztinnen und Ärzte gehen würdevoll mit dem Körper des Toten um. Der Körper des Verstorbenen wird durch die Organspende nicht entstellt. Angehörige können anschließend vom Verstorbenen persönlich Abschied nehmen.

Es gibt nie einen optimalen Zeitpunkt, sich zu entscheiden. Wenn man sich jetzt nicht entscheidet, macht man es vermutlich nie. Man sollte auch bedenken: Wenn man sich nicht selbst entscheidet, bürdet man seinen Angehörigen diese Entscheidung auf.

Stimmt nicht. Denn die Vermittlung der Organe erfolgt anhand medizinischer Kriterien. Das computergestützte Verfahren bei der Stiftung Eurotransplant vergleicht die maßgeblichen Daten von Spender und Wartelistenpatienten (z.B. Blutgruppe und Gewebemerkmale), um den optimalen Empfänger zu ermitteln. Damit wird die Gefahr einer Abstoßungsreaktion vermieden. Außerdem nehmen die Patienten Medikamente ein, die eine Abstoßungsreaktion unterdrücken.

Die katholische und evangelische Kirche sowie der Zentralrat der Muslime befürworten die Organ- und Gewebespende als einen möglichen Akt der Nächstenliebe. Im jüdischen Glauben gibt es kein einheitliches Meinungsbild zur Organ- und Gewebespende. Für streng orthodoxe Juden gilt ein Mensch erst als tot, wenn sein Herz nicht mehr schlägt. Liberale Juden befürworten die Lebensrettung durch Organspende. Auch das oberste Rabbinat Israels hat den irreversiblen Hirnfunktionsausfall Ende der achtziger Jahre ausdrücklich anerkannt. Im Buddhismus ist Organspende eine Entscheidung, die jeder für sich persönlich treffen soll.

Nach den Manipulationsskandalen gab es eine Menge Konsequenzen. Mittlerweile ist zwingend geregelt, dass in den Transplantationszentren Entscheidungen durch eine Transplantationskonferenz (Sechs-Augen-Prinzip) zu treffen sind. So werden nun auch Fachrichtungen in das Führen der Wartelisten einbezogen, die keine unmittelbare Verbindung zur Transplantationsmedizin haben.

Außerdem sind manipulative Angaben zum Gesundheitszustand eines Patienten, der auf ein Organ wartet, nun ausdrücklich strafbar.

Es gibt nur sehr wenige Erkrankungen, in denen eine Organentnahme ausgeschlossen ist: HIV und akute Krebserkrankungen. In allen anderen Fällen entscheiden die Ärzte individuell, ob eine Organspende medizinisch infrage kommt.

Mehr Informationen zum Thema Organspende finden Sie/findet Ihr auf der Homepage

 

Die Organspende erklärt in leichter Sprache auf der Seite